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Hallo :-)!

Wie alle von euch wissen, die den Job schon lange genug machen:

Gute Pflege hängt von enorm vielen verschiedenen Faktoren ab. Nicht immer geht es um
(natürlich wichtige) Personalschlüssel oder Arbeitsentgelte. Eine Menge hängt auch vom möglichst reibungslosen Zusammenspiel der eigenen Einrichtung mit Zulieferern und Dienstleistungspartnern ab.

Das Spektrum reicht da vom Betreiber des Kaffeeautomaten im Pausenraum bis hin zu den Spezialisten für Medizintechnik. Und genau um diese spezielle Schnittstelle soll es heute gehen. Konkret ist die Rede von der Zusammenarbeit mit der ***Selimed GmbH*** aus Meinerzhagen, einem wirklich ambitionierten Spezialisten-Team für Medizin-, Reha- & Orthopädietechnik.

Herr Chung, seines Zeichens erprobter Außendienstmitarbeiter, war so nett, uns Zeit für ein Interview freizuschaufeln.

VentiPro: Hallo Herr Chung! Schön, dass es mit dem Termin geklappt hat!

Herr Chung: (lacht :-)) Hallo! Herzlich Willkommen bei der Selimed GmbH! Ja, das war gar nicht einfach, aber hat ja dann doch noch hingehauen.

VentiPro:Herr Chung, erzählen Sie uns doch bitte mal etwas zur Selimed.

 

Herr Chung:Unser Unternehmen besteht seit 1994 und hat bereits vom Start weg als Vollversorger mit den Schwerpunkten Medizintechnik, Betten und Bettensysteme angefangen. Der damalige Senior-Chef entdeckte nach und nach immer weitere Sparten für sich, Wechseldruckmatratzen, Matratzensysteme und so weiter. Bis dann schlussendlich vor drei Jahren der Grundstein gelegt wurde für das jetzige Erscheinungsbild mit unseren besonderen Stärken in den Bereichen Medizintechnik, Beatmungstechnik, Tracheostoma-Versorgung und, eigentlich, Home Care allgemein – Alles aus einer Hand (lacht :-)).

VentiPro: Das hört sich ja nach einer Erfolgsgeschichte an.

Herr Chung:Das Tolle ist tatsächlich, dass wir ein inhabergeführtes Unternehmen sind. Da besteht ein wirkliches Interesse daran, das Unternehmen dauerhaft mit ehrlicher Leistung nach vorne zu bringen. Das ist etwas anderes, als die ganzen großen, investmentgeführten Unternehmen in unserer Branche, die dann gerne auch mal verkauft werden, häufig zulasten der eigenen Arbeitsqualität.

VentiPro: Was ist denn aus Ihrer Sicht, neben der Inhaberführung, das Besondere an der Arbeit der Selimed GmbH?

 

Herr Chung: Unser größtes Credo ist die Kundenorientiertheit. Wir wollen wirklich mit dem Kunden auf Augenhöhe sein. ‚Kunden‘ heißt an der Stelle: Krankenhäuser, Altenheime, die einzelnen Pflegekräfte & -leitungen, der Patient oder Kunde natürlich selber, Angehörige & Betreuer und jeweils die dem Patienten zugeordneten Therapeuten und ähnlichem. Das heißt, vom Grundsatz kann sich immer jeder an uns wenden. Unser und auch mein Auftrag bei der Selimed ist es, jedem Beteiligten ernsthaft und ehrlich Rede & Antwort zu stehen und neue Möglichkeiten zu eröffnen. damit untrennbar verbunden ist Expertise. Ohne fachlich wirklich versierte und engagierte Mitarbeiter ist eine erfolgreiche medizintechnische Versorgung nicht möglich. Unsere Außendienstmitarbeiter, wie ich einer bin, verfügen alle über, teils mehrere, pflegerische bzw. medizinische Aus- & Weiterbildungen. Vom Bioingenieur über die Pflegefachkraft bis hin zu unserer eigenen orthopädischen Abteilung decken wir das gesamte Wissensspektrum ab, das für gute Leistungen in unserem Job notwendig ist. Und es geht weiter. Das ist, glaube ich, eine unserer größten Stärken.

 

VentiPro: Zur Sache: Wieviel bekommen die Mitarbeiter vor Ort denn tatsächlich von der jeweiligen Pflegesituation mit? Wo sind da die Schnittstellen?

 

Herr Chung: (lacht :-))Also grundsätzlich geht es uns, genau wie den Pflegerinnen & Pflegern, um eine bestmögliche Versorgung. Das heißt, wenn ich vor Ort, am Patienten, nicht mehr weiterweiß, habe ich meine Kolleginnen & Kollegen aus den verschiedenen Fachbereichen, die mir bzw. in erster Linie dem Patienten, weiterhelfen.

 

VentiPro: Okay, aber wie sieht das in der Praxis dann aus?

 

Herr Chung: Sehr unterschiedlich. Ganz wichtig ist da natürlich der Wunsch des Kunden selber. Das ‚Schlimmste‘, was einem passieren kann, ist…man kommt zum Kunden und der sagt: ‚Ich habe ein Problem, aber sag euch nicht, welches.‘. Ist aber natürlich sein gutes Recht. das Recht auf Selbstbestimmung über die eigenen, persönlichen Daten ist natürlich auch für uns absolut bindend. Nicht immer hilfreich, aber absolut notwendig. Im Endeffekt gibt es da eine Bandbreite von sehr spartanischer Versorgung bis hin zu: Der Kunde erzählt einem absolut alles, also seine Vita der letzten 20 Jahre, und entsprechend leichter können wir alle, also alle an der Versorgung Beteiligten, dem- oder derjenigen helfen.

 

VentiPro: Aber sind es nicht in der Hauptsache die PflegerInnen & TherapeutInnen, die am besten über den Patienten Bescheid wissen? Wie wichtig ist denn da ein guter Draht zueinander? Also, vom Home-Care-Versorger zu eben jenen Leuten?

 

Herr Chung: Sehr, sehr wichtig. Absolut. Um ein Problem lösen zu können, brauchen wir eine detaillierte Darstellung, am ehesten natürlich mit einem Pflegefachlichen Hintergrund. Da ist es natürlich ganz wichtig, dass die Kolleginnen und Kollegen, die tagtäglich am und mit dem Patienten arbeiten, dann auch eine detaillierte Schilderung der Sachlage geben. Gerade auch im Hinblick auf Menschen mit Apallischem Syndrom bzw. Menschen, die eben nicht mehr in der Lage sind, ihre Wünsche & Bedürfnisse zu artikulieren.

 

VentiPro: Was sind, aus eurer Sicht, die besonderen Schwierigkeiten bei beatmeten PatientInnen, wie den PatientInnen der VentiPro GmbH?

 

Herr Chung: Das Wichtigste ist natürlich, dass die versorgenden Pflegerinnen und Pfleger auch über eine möglichst hohe, pflegefachliche Kompetenz verfügen. Aber selbst, wenn das gegeben ist, heißt das ja nicht, dass keine Probleme auftauchen können. Bei dem Wust an Material und Geräten, den es gibt, kann es immer wieder vorkommen, dass ein Pfleger vor einem Beatmungsgerät steht und, trotz Einweisung, mal nicht weiterweiß, weil das schon die 20. Maschine ist, die er oder sie kennengelernt hat. Vielleicht hat sich auch zum Xten Mal irgendein Material geändert, dessen Eigenschaften man gerade nicht genau weiß. An der Stelle treten wir auf den Plan. Wir sind, unter anderem, dafür zuständig, dass auch das Wissen über neue Materialien, Techniken oder Produkte regelmäßig und rechtzeitig den Pflegerinnen und Pflegern zugänglich gemacht wird. Erfahrungsaustausch ist einfach ganz wichtig. Die Kollegen sind teilweise jahrelang vor Ort und sind die einzigen, die sich wirklich mit dem Patienten auskennen. Ohne die richtige Art respektvoller und wertschätzender Kommunikation geht einfach gar nichts. Besonders nicht im Bereich Medizin & Pflege.

 

VentiPro: Was sollte eurer Meinung nach noch an der Kommunikation der verschiedenen Akteure in der Pflege verbessert werden?

 

Herr Chung: Wir sollten uns alle dafür einsetzen, dass es mehr interdisziplinäre Möglichkeiten des Austauschs gibt. Zum Beispiel Stammtische gleichwelcher Art, seien sie virtuell oder real (lacht). Wo sich dann verschiedene Berufsgruppen zusammensetzen, um alle möglichen Themen zu diskutieren, sich untereinander auszutauschen, mehr Verständnis füreinander zu schaffen. Wenn man weiß, was den Job des anderen ausmacht, ist auch die Zusammenarbeit viel angenehmer und produktiver für alle beteiligten. Inklusive der Patienten. Natürlich gibt es da auch schon wichtige Institutionen wie die Schulungen, die wir regelmäßig anbieten. Mehr wäre aber natürlich besser.

 

VentiPro: Die Vielzahl an Beatmungsgeräten auf dem Markt und deren Marketingaussagen suggerieren einem Laien doch, dass eine moderne Beatmung heute gar kein Problem mehr sei. Was sagen Sie dazu?

 

Herr Chung: Vom Grundsatz her bedeutet Beatmung: ich pumpe Luft in einen Patienten rein und die kommt von alleine wieder raus. Soviel zur puren Theorie. In Wahrheit ist das Ganze eine hochindividuelle Geschichte. Wir sind alle Menschen und ich behaupte, keiner, aber auch wirklich keiner, ist so wie der andere, gerade im Bezug auf die Atmung. Natürlich gibt es Faustregeln zur Beatmung von Patienten. Aber was macht man denn, wenn ein Patient seit zwanzig Jahren zwölf Mal pro Minute zu atmen gewohnt ist, die Standardeinstellung aber 16 oder 18 Mal vorsieht? Glauben Sie, dass bekäme man dann mal einfach so geändert? Und wäre das jeweils überhaupt sinnvoll für den Patienten? Technisch gesehen, arbeiten die allermeisten Beatmungsgeräte aber nach denselben Prinzipien.

 

VentiPro: Warum dann dieses riesige Sortiment?

 

Herr Chung: Durch die vielen, leicht unterschiedlichen Geräte und Materialien am Markt hat man, haben wir häufig erst die Möglichkeit, individuelle Anforderungen der Patienten und ihrer Situation zu berücksichtigen. es kommt eben aufs Detail an. Habe ich einen Menschen als Patient, der seine Zeit ausschließlich nur noch in der Wohnung verbringt? Oder geht es um jemanden, der trotz Beatmung noch sehr aktiv ist und sich viel im Freien aufhält? Dementsprechend geht es dann vielleicht auch gar nicht um Technik, sondern zum Beispiel um Gestaltung. Wie praktikabel ist es im Außeneinsatz? Wie sehe ich damit aus?

 

VentiPro: Wie sieht Ihrer Meinung nach die Zukunft der Beatmungspflege aus? Kommen da technische Revolutionen auf uns zu, von denen der Laie (noch) nichts weiß oder ahnt?

Herr Chung: Die Beatmungstechnik an sich wird wohl die gleiche bleiben. Wie sich die Geräte gestalten, wird sich wohl ändern, da gibt es zum Beispiel jetzt bereits die Möglichkeit, durch Bluetooth automatisch Daten zu übermitteln und zu erfassen. Das hat bisher aber nicht so ganz gepasst. Aber wer weiß, vielleicht klappt das ja nochmal. Was wahrscheinlich stärker an Bedeutung gewinnen wird ist die Telemedizin. Also, dass Mediziner oder anderes, entsprechendes Fachpersonal von wo auch immer auf ihren Monitor schauen können und alle wichtigen Werte im Blick haben.

 

VentiPro: Bedeutet das in der Verlängerung nicht, dass Ärzte dann nur noch Online- oder Videosprechstunden abhalten werden? Da wurden ja in den vergangenen Jahren einige, gesellschaftlich bislang wirkungslose, Projekte durchgeführt?

 

Herr Chung: Sagen wir mal so: Natürlich weiß der Arzt, dass er in erster Linie Entscheidungsträger ist, aber andererseits kann es schon von Vorteil sein, wenn ein Arzt nicht unbedingt extra rauskommen muss. Er oder sie haben eine lange Anfahrtszeit und werden aus ihrer Praxis mit wartenden Patienten gerissen, was dem Arzt stellenweise überhaupt nicht möglich ist. Stattdessen kann er in seiner Praxis auf den Monitor gucken und sehen: ‚Alles klar, ich sehe jetzt die-und-die Atmungskurve und ich habe zuvor die-und-die Parameter eingestellt. Da sehe ich die aktuellen Werte, sieht mir hier schwer nach einem massiven Bronchospasmus aus.‘ – Und dann kann der Arzt direkt und von seiner Praxis aus sehr schnell reagieren und dem Personal vor Ort entsprechende Gegenmaßnahmen in die Wege leiten. Aber natürlich gibt es immer nicht nur die eine Betrachtungsweise. In erster Linie ist der Arzt, wie schon gesagt, Entscheidungs- und Verantwortungsträger.

 

VentiPro: Vielen Dank, Herr Chung!

 

Wir hoffen, euch hat unser Interview mit Herrn Chung gefallen und ihr konntet ein paar interessante Einblicke gewinnen.

 

 

Bis zum nächsten Mal :-)!

 

Eure VentiPros.



 

 

Arbeitsrecht

Ausschließlich 8-Stunden-Schichten bei den VentiPros!

Es war eine der wichtigsten Vorsätze für Dennis Krahwinkel & Martin Hohenkirch, als die beiden die VentiPro Intensivpflege GmbH aus der Taufe hoben: niemals wieder Pflegearbeit in 12 Stunden-Schichten leisten zu müssen! Dass diese langen (bei der Konkurrenz häufig üblichen) Schichten nicht nur negativ für die Pflege- & Lebensqualität sind, macht das folgende Interview deutlich.

 

Interviewpartnerin: RA Frau Iris Koppmann
Interviewer: Kai Deutschmann

Ventipro GmbH mit Frau Iris Koppmann
Ventipro GmbH – Pflegerechtinterview mit Frau Ra Iris Koppmann i. A. für Ventipro

 

Pflegerecht: Arbeitszeiten in der Pflege – Interview mit RA Frau Iris Koppmann

Frau Iris Koppmann, die renommierte Kölner Rechtsanwältin für Familien-, Erb- & Steuerrecht, arbeitet in ihrem Beruf ganz bewusst und aus Überzeugung mit und für Menschen. Seit einiger Zeit ist ihr eigener Vater auf die Hilfe ambulanter Intensivpflegekräfte angewiesen. Im Bemühen, die bestmögliche körperliche & seelische Versorgung ihres Vaters zu erreichen, hat Frau Koppmann viele persönliche Erfahrungen sammeln dürfen und müssen. Daraus ist der Wunsch entstanden, anderen betroffenen Angehörigen & PatientInnen aktiv zu helfen und auch Pflegerinnen & Pfleger zu unterstützen.

Was gehört zur Arbeitszeit?

KD: Hallo Frau Koppmann. Vielen Dank dafür, dass Sie sich für uns Zeit genommen haben. In der ambulanten Intensivpflege gibt es einige Seltsamkeiten & Gepflogenheiten, die man zumindest als strittig bezeichnen könnte. Heute möchten wir uns eine davon näher anschauen und mit Ihrer Hilfe ein wenig Licht ins Dunkel bringen. Die Rede ist unter anderem von den berüchtigten 12-Stunden-Schichten, die in der ambulanten Intensivpflege bislang üblich sind.

IK: Hallo Herr Deutschmann. Zunächst einmal widersprechen die 12 Stunden-Schichten geltendem Recht, wie es im Arbeitszeitgesetz fixiert ist. Das Arbeitszeitgesetz sieht eine maximale Arbeitszeit von 8 Stunden vor. Aber, wie es in deutschen Gesetzen nun einmal so ist, gibt es natürlich zu jedem Gesetz auch Ausnahmevorschriften. Diese gelten insbesondere auch für den Pflegebereich, aber auch für andere Bereiche, wie den Polizeidienst oder die Arbeit in der Gastronomie. Wenn wir Freizeit haben, müssen Menschen da sein, die das dann auch leisten, damit wir die Freizeit ausfüllen können. Wenn wir krank sind, werden wir für die Nacht nicht damit aufhören können, nur weil dann niemand aufgrund fehlender Ausnahmevorschriften arbeiten darf.

KD: Warum haben wir dann überhaupt ein Arbeitszeitgesetz, wenn der Bedarf der Menschen an diesen Diensten doch sowieso die Arbeitszeiten zu regeln scheint?

IK: Nichtsdestotrotz, der Zweck des Arbeitszeitgesetzes ist natürlich der Schutz des Arbeitnehmers bzw. der Arbeitnehmerin und da sind die Schutzprinzipien einmal die Sicherheit und einmal die Gesundheit des Arbeitnehmers. Die (Gesetze; Anm. d. Verf.) gilt es einzuhalten, trotz der Ausnahmevorschriften.

KD: Wenn wir über Arbeitszeiten reden, was bedeutet das eigentlich?

IK: Schauen wir mal, wie der Gesetzgeber eigentlich die Arbeitszeit definiert. Die Arbeitszeit ist reine Tätigkeit, das heißt, darunter fallen nicht die Anreise, der Weg zur Arbeit, was manche Menschen aber glauben. Auch die sogenannte Rüstzeit (o. a. Rüstzeiten; Anm. d. Verf.), die auch besonders in der Pflege anfällt und die Zeitspanne beschreibt, die der Arbeitnehmer für das An- bzw. Ablegen der Arbeitskleidung vor Beginn und nach Ende der Arbeitszeit benötigt, gehört NICHT zur Arbeitszeit.

Frau Iris Koppmann

KD: Gilt das auch für die sogenannte Übergabe bei Schichtwechsel in der Pflege?

IK: Nein, die Übergabe ist reine Tätigkeit und damit Teil der Arbeitszeit. Das wird auch über jeden Zweifel erhaben sein. Wir haben also jetzt die reine Arbeitszeit, die sogenannten Rüstzeiten und die Ruhezeiten. Zu den Ruhezeiten gehören die Pausen, diese sind gesondert geregelt. Der Gesetzgeber legt hier 30 Minuten Pause bei einer Tätigkeit von 6-9 Stunden fest, bei über 9 Stunden sind es 45 Minuten Pause, auf die der Arbeitnehmer Anspruch hat. Man muss aber dazu sagen, dass es hierbei in der Pflege besondere Vorschriften gibt. In der Pflege können die Ruhezeiten verkürzt werden, das gilt insbesondere für die Ruhepausen nach der täglichen Arbeitszeit. Der Gesetzgeber sieht nämlich vor, dass nach der täglichen Arbeitszeit Ruhepausen von 11 Stunden einzuhalten sind. Damit der Arbeitnehmer auch mal schlafen kann. Das heißt, wenn man sich im Schichtsystem bewegt, kann nicht nach der Nachtschicht eine Frühschicht folgen. Hier sieht der Gesetzgeber aber vor, dass gerade im Bereich Kranken- bzw. Altenpflege diese Ruhepause um 1 Stunde auf 10 Stunden verkürzt werden kann.

Sonderregelungen zur Arbeitszeit

KD: Was gibt es noch für Regelungen, die für den Pflegebereich besonders relevant sind? Und wie sieht es denn nun mit der Rechtmäßigkeit von 12 Stunden-Schichten in der ambulanten Intensivpflege aus?

IK: Es gibt bestimmte Regelungen für Sonn- und Feiertage, sowie für die Nacht- und Schichtarbeit, die hier noch relevant sind. Auch bei der Nacht- und Schichtarbeit sagt der Gesetzgeber zur regulären Arbeitszeit zunächst nur 8 Stunden und keine 12 Stunden. Aber auch da gibt es eben Ausnahmen. Bezüglich der Sonn- und Feiertage ist zu sagen, dass 15 Sonntage im Jahr auf jeden Fall frei sein müssen.

KD: 15?

IK: 15. Das ist nicht viel, wenn wir überlegen, dass wir 52 Wochen im Jahr haben. Da sind 15 Sonntage nicht viel. Daran kann man schon erkennen, wie ‚entgegenkommend‘ der Gesetzgeber in diesem Zusammenhang ist. Wenn jemand an einem Sonntag arbeitet bzw. auf einen Feiertag, steht ihm jedoch ein Ersatzruhetag zu, der eigentlich innerhalb von 14 Tagen genommen werden muss. Das sagt uns der Gesetzgeber.

KD: …und die 12 Stunden-Schichten?

IK: Was die 12 Stunden-Schichten anbelangt, so sind diese nur dann zulässig, als Ausnahmestunden, wenn wir große Betriebe haben. Diese Schichten können dort dann über den Tarifvertrag oder Betriebsvereinbarungen geregelt werden. Betriebsvereinbarungen jedoch können nur zwischen dem Arbeitgeber und Betriebsräten geschlossen werden. Und wie sich jeder vorstellen kann, hat natürlich so ein kleiner ambulanter Pflegedienst keinen Betriebsrat.

KD: …im Gegensatz zu den Großen der Branche. Also gibt es da keine Alternative?

IK: Man könnte es einrichten, es gibt da keine Vorschrift, die besagt, dass man es nicht darf. Lediglich, ab wann man es muss. Es gäbe die Möglichkeit, einen Betriebsobmann einzusetzen, der von der Belegschaft gewählt würde und dann könnte man natürlich auch eine Betriebsvereinbarung schließen. Nur diese Regelungen können diese 12 Stunden-Schichten einführen und deshalb gibt es die natürlich in Krankenhäusern und Altenheimen. Die sind groß genug, sind in staatlicher oder kirchlicher Trägerschaft, das ist überhaupt gar kein Problem.

Warum 12 Stunden-Schichten in der Intensivpflege?

KD: Wie kommt es dann, dass so viele kleinere, ambulante Intensivpflegedienste in 12 Stunden-Schichten arbeiten? Die meisten werden doch sicher keinen Betriebsobmann und damit eine Betriebsvereinbarung vorweisen können?

IK: Das auf die Schnelle so viele ambulante Pflegedienste aus dem Boden geschossen sind, das ist natürlich eine Entwicklung. Die meisten (PflegerInnen; Anm. d. Verf.) haben in der Regel vorher in einem Krankenhaus oder bei einem kirchlichen Arbeitgeber gearbeitet und haben das dann so übernommen. Und wo kein Kläger, da kein Richter, das ist ja völlig klar.

KD: Also, ist das sozusagen ‚auf der Strecke geblieben‘?

IK: Ich vermute, ja. Muss aber dazu sagen, dass ich bei dem Thema gerade noch mitten in der Recherche stecke und noch nicht mit hundertprozentiger Sicherheit sagen kann, ob es hierzu nicht im Land Nordrhein-Westfalen eine spezielle Rechtsverordnung gibt, die so etwas mit umfasst. Bekannt ist es mir zum jetzigen Zeitpunkt nicht.

KD: Erfolgt bei den Diensten, die in 12 Stunden-Schichten arbeiten irgendein Ausgleich für den Arbeitnehmer?

IK: Wer in der Pflege auf dieser Basis arbeitet, und daran halten sich auch die kleinen Betriebe, achtet auf die Ausgleichszeiträume. 12 Stunden-Dienste sind möglich, das sieht auch der Gesetzgeber vor, aber die Dienste müssen Ausgleichszeiträume schaffen. Das heißt, eine gewisse Anzahl Tage danach frei haben.

KD: Wie denken Sie persönlich, Als Angehörige und Betroffene über diese 12 Stunden-Schichten? Sind diese in Ihren Augen okay, weil es ja die Ausgleichszeiträume gibt?

IK: 12 Stunden Schichten sind meines Erachtens mit einem Risiko sowohl für den Arbeitnehmer als auch für den Patienten behaftet. Nicht umsonst ist die gesetzliche Arbeitszeit sogar nur auf 8 Stunden festgesetzt. Sicherlich ist im Pflegebereich bei einer 1:1 Situation zu berücksichtigen, dass nicht rund um die Uhr gepflegt wird und es zwischendurch Leerläufe gibt, in denen sich sicherlich auch ausgeruht werden kann. Aber diese Leerläufe können auch wiederum eine Gefahr darstellen, die darin besteht, wenn der Dienst zu ruhig verläuft, die Aufmerksamkeit schwindet. In jedem Fall sind für alle Beteiligten kürzere Schichten von Vorteil. Für mich ist wichtig, dass die Pflegekraft ihren Job mit ihrer ganzen Leistungsfähigkeit macht und auch zufrieden ist. Dies wirkt sich unmittelbar auf den Patienten aus.